Zimmer in eleganter Jugendstil- Villa hoch über der Stadt und dem Neckar. Innenstadt, Uni und Mensen sind nur Schritte entfernt.
15 - 25 Quadratmeter
150 - 200 Euro
Wasser, Strom, Heizung, Internet, Telefon inklusive
Die Akademische Gesellschaft Stuttgardia ist eine liberale, nicht schlagende, nicht farben-tragende Korporation von Studentinnen und Studenten an der Eberhard Karls Universitaet Tübingen
Teilnahme an Veranstaltungen außerhalb der Gesellschaft 1908-1914, Gustav Schwab jun. dankte Universität und Stadt
vom Pferd, Ulrich Faber leitete Kaiserkommers
Bei Veranstaltungen der Studentenschaft oder der Hochschule waren Vertreter der Stuttgardia stets im Gehrock und
hohem Hut gekleidet96. Dies erschien gegenüber dem Aufzug der Vertreter farbentragender Verbindungen farblos und
kleinbürgerlich. Bei Fackelzügen, bei denen sich die Gesichter und weißen Hemden durch den Ruß allmählich
schwärzten, begrüßten Tübinger Einwohner die Stuttgarden mit “Die Kaminfegerinnung kommt”. Die Anschaffung
eines “Wichses”97 wurde immer wieder angesprochen. Sie war um 1905 ein so beliebtes Konventsthema, daß
entsprechende Anträge als “Anulkung des Konvents” unter Strafe gestellt waren. Die Stimmung im Altenverein war
ebenfalls stets gegen die Anschaffung einer besonderen “Galakleidung”. Als jedoch im Juni 1910 die Immatrikulation
des 2000. Studenten feierlich begangen werden sollte und dabei im Rahmen eines Umritts der Chargierten aller
Korporationen der Vertreter der Stuttgardia vor der Aula vom Sattel aus sprechen sollte, beschloß die aktive
Gesellschaft für die drei Chargierten einen Wichs anzuschaffen, und zwar für deren öffentliches Auftreten im Rahmen
der Gesamtstudentenschaft, also nicht bei internen Veranstaltungen. Der Wichs hatte sich aus der studentischen Tracht
des frühen 19. Jahrhunderts entwickelt. Er bestand bei der Stuttgardia aus einem knielangen schwarzen Samtrock mit
Verschnürungen auf der Brust, weißem Stehkragen und Jabot, weißen Handschuhen mit Armstulpen, weißen Hosen,
hohen Stulpenstiefeln mit Sporen sowie einer schwarzen Kopfbedeckung mit nach hinten gezogener Straußenfeder.
Dazu bekam jeder Chargierte einen Paradeschläger, der am Wehrgehänge getragen wurde. Die Anschaffung erfolgte
ohne Unterrichtung des Altenvereins, der den Aktiven darauf sein “lebhaftes Bedauern” mitteilte.
Bei der Feier am 22.6.1910 ritten die Chargierten mit Universitätsstallmeister Fritz an der Spitze, gefolgt von den
Studenten zu Fuß, zur neuen Aula. Dort sprach bei starkem Regen Prorektor Schleich. Im Namen der Studentenschaft
huldigte und dankte der Stuttgarde Gustav Schwab der Universität und der Stadt98. Beim anschließenden Umzug durch
die Stadt und beim Festkommers in der Platanenallee regnete es weiter in Strömen.
Anfang 1910 beteiligte sich die Gesellschaft am jährlich von drei wechselnden Korporationen vorbereiteten
Kaiserkommers sowie Ende Juni 1910 und 1911 an Fackelzügen der Korporationen zu Ehren Bismarcks. Im WS
1911/12 hatte die Stuttgardia nach Weihnachten den Vorsitz im “Ausschuß Vereinigter Tübinger Corporationen”. Daher
übernahm Ulrich Faber beim Kaiserkommers am 25.1.1912 das Präsidium. Nach dem Bericht in der Tübinger
Chronik99 war der Museumssaal mit den Fahnen der Korporationen geschmückt, die Chargierten trugen Wichs, die
Mitglieder der farbentragenden Verbindungen hatten ihre Mützen auf und auf der Galerie saß “der Damenflor”. Die
Regimentsmusik spielte unter Leitung von Obermusikmeister Schneckenburger. Faber begrüßte Magnifizenz Professor
Heck sowie Vertreter des Offizierskorps und der Stadt. Er gedachte dann des 200. Geburtstags Friedrich des Großen.
Kaiser Wilhelm II. pries er als Erhalter des Friedens, dessen erste und vornehmste Sorge es sei, das Heer gerüstet und
schlagfertig zu erhalten und eine Marine zu schaffen, auf die alle Welt mit Achtung blicke. In der akademischen Jugend
müßten persönliche Gegensätze zurücktreten, alle müßten für das Vaterland einstehen. Fabers Hoch galten Kaiser und
Reich, stehend sangen die Anwesenden das Deutschlandlied. Der Rektor nahm darauf “mit hoher Genugtuung Kenntnis
von der echt patriotischen Stimmung, die unter der akademischen Jugend herrsche”. Er kommandierte einen
Salamander auf die Studentenschaft, der Tradition entsprechend folgten ein Königshoch und ein Hoch auf Universität
und Stadt.
Am 25.2.1912 feierte die Stuttgardia des Königs Geburtstag in Form eines Herrenabends. Ende November 1912
beteiligte sie sich am Fackelzug zur Einweihung der neuen Universitätsbibliothek und dem anschließenden
Festkommers im Museum. Die Königin hatte in der neuen Aula an Stelle des erkrankten Königs die Erstchargierten der
Korporationen empfangen. Im Juni 1913 nahm die Stuttgardia am Kommers der Tübinger Verbindungen zur
Jahrhundertfeier von 1813 sowie am Fackelzug zum Bismarckturm aus Anlaß des Kaiserjubiläums teil.
Die Beteiligung der Stuttgardia an den patriotischen Feiern und insbesondere die Ausführungen Fabers beim
Kaiserkommers 1912 zeigen, daß sie Anteil an der herrschenden nationalen Stimmung nahm. Es bestand eine
Übereinstimmung in patriotisch-nationaler Hinsicht zwischen Universität und korporierter Studentenschaft, die von
einem besonderen Vaterlandsverständnis gekennzeichnet war. Die Feiern für Kaiser und Reich mit ihrer Idealisierung
der Leitbilder wurden nicht als “politisch” empfunden.
Zum Verhältnis zwischen Universität und Korporationen ist noch anzumerken, daß sich die Universität gerne der
Verbindungen zur Repräsentation und zur Ausgestaltung festlicher Veranstaltungen bediente. So hatte der Akademische
Senat mit den Verbindungen 1898 vereinbart, daß jede Verbindung zwei Chargierte in Wichs zur Feier von Königs
Geburtstag und zu Preisverleihungen in die Aula entsendet100.