Zimmer in eleganter Jugendstil- Villa hoch über der Stadt und dem Neckar. Innenstadt, Uni und Mensen sind nur Schritte entfernt.
15 - 25 Quadratmeter
150 - 200 Euro
Wasser, Strom, Heizung, Internet, Telefon inklusive
Die Akademische Gesellschaft Stuttgardia ist eine liberale, nicht schlagende, nicht farben-tragende Korporation von Studentinnen und Studenten an der Eberhard Karls Universitaet Tübingen
Der Hausbau war nicht billig und das Zusammentragen der Mittel schwierig. Dennoch wurde diese zweite
Hauseinweihung am 11./12.7.1908 mit einem großen Fest gefeiert.
Am Samstag empfing die aktive Gesellschaft um 4 Uhr nachmittags auf dem Tübinger Bahnhof die Gäste aus Stuttgart.
“Der Zug fuhr unter den Klängen der Tübinger Militärkapelle in den Bahnhof ein, und mit Musik ging es dann auch der
Stadt zu, über die festlich mit Fahnen geschmückte Neckarbrücke.” Um 5 Uhr war feierliche Übergabe des Hauses an
die aktive Gesellschaft in Anwesenheit des Universitätsrektors Professor Dr.Garbe. Die Bundesbrüder mit ihren
Angehörigen (über 200 Personen) hatten sich in Kneipe und Diele versammelt. Die im Freien aufgestellte Kapelle
spielte die “Jubelouvertüre” von Weber. Gustav Hauber als Vorstand dankte dem Architekten Richard Dollinger, der
sich gerade auf der Hochzeitsreise mit Gertrud Haidlen (1887-1974), der Tochter des Bundesbruders Oskar Haidlen,
befand. Vor allem dankte er den Mitgliedern des Altenvereins, die durch Geschenke, Darlehen und Verpflichtungen zur
Zahlung erhöhter Jahresbeiträge den Bau des Hauses ermöglicht hatten. Auch wenn wir es heute nicht mehr in allen
Teilen so ausdrücken würden, sollen die abschließenden Worte Haubers wiedergegeben werden:
“Möge in diesen Zimmern nicht dumpfe Stoffgelehrsamkeit herrschen, aber treuer Fleiss und echte, hohe Wissenschaftlichkeit, nicht öde
Streberei, aber edle Strebsamkeit, nicht Üppigkeit und Weichlichkeit, noch leere Renommisterei, sondern wahre
Ehrenhaftigkeit, freie, tiefgründige, von innen heraus feinere und edlere Lebensgestaltung, für welche die gefälligen
Räume die natürliche, gleichgestimmte Fassung und Rahmen bilden. Mögen die Wände dieses Saales immer
herniederschauen auf eine frische, frohe und vornehme Geselligkeit, wo der Ernst durch den Scherz und der Scherz
durch den Ernst durchleuchtet und verklärt wird, auf eine vielstimmige Harmonie, wo der freie Austausch der
Meinungen und Persönlichkeiten weiten Blick und festen Charakter und eben dadurch wahre Freundschaft erzeugt und
gewährleistet. Möge namentlich auch die echte Vaterlandsliebe hier niemals fehlen, die stets sich bewusst ist, dass alles,
was ein jeder tut, zugleich für das grosse Ganze, für Volk und Staat getan wird, die täglich und stündlich bereit ist,
wenn die Sturmglocke erschallt, vom Berge niederzusteigen und ins Glied zu treten. Mögen alle, die aus diesen Räumen
ausgehen in die Welt, erhebende Erinnerungen mitnehmen können, als an eine Stätte, wo alles Wahre, Gute, Schöne
gepflegt wird, als an einen Tempel der Wissenschaft und der Freundschaft!”
Das Präsidium der aktiven Gesellschaft, Walther Mosthaf, antwortete, der Besitz des Hauses sei für die meisten
Verbindungen eine Lebensbedingung geworden, da sich der Nachwuchs bewußt oder unbewußt von Äußerlichkeiten
leiten lasse. Auch sei es in Tübingen schwierig, schöne Räume zu mieten.
“Allerdings sind die Schattenseiten, die mit den Studentenhäusern verbunden sind, nicht zu verkennen; in erster Linie wäre hier zu nennen, dass das exklusive
Wesen, mit dem sich Studenten verschiedener Korporationen schon an und für sich gegenübertreten, noch gesteigert
wird. Dann die Gefahr des übertriebenen Wesens, des Luxus. Das ist ja auch das Hauptbedenken, das die Alten Herren
vor der Erbauung eines Hauses immer mehr oder weniger zurückgeschreckt hat. Und auch bei uns war und ist es nicht
anders; derartige Bedenken sind oft geäussert worden. Dass sie überwunden wurden, ist ein Vertrauensvotum für die
aktive Gesellschaft, und wir glauben dafür heute versprechen zu können, dass wir und alle diejenigen, auf die wir in den
kommenden Zeiten noch einen Einfluss auszuüben vermögen, uns von aller Üppigkeit und Verschwendung, die uns
nicht zukommt, fernhalten…Wir übernehmen das Haus mit dem Gelöbnis, selbst stets dem alten Bundesgeist treu zu
bleiben und ihn nach bestem Können auf die Nachfolgenden zu übertragen.”
Die Glückwünsche der Universität überbrachte Magnifizenz Professor Dr.Garbe. Er versicherte, die alma mater werde
stets mit mütterliche Liebe auf dieses Haus und auf ihre Kinder in ihm blicken. Die Stuttgardia habe von jeher ihre
deutlich ausgeprägte Eigenart gehabt.
“Sie hat es verstanden und versteht es, mit echter studentischer Fröhlichkeit eine ernste Lebensauffassung zu verbinden; sie legt Wert auf sicheres Auftreten in den besten gesellschaftlichen Formen,
ohne aber den Äusserlichkeiten eine zu grosse Bedeutung beizumessen. Und von dem wissenschaftlichen Geist und der
Arbeitsamkeit der Stuttgardia zeugen die Examensnoten ihrer Mitglieder und die Resultate der Bewerbungen um die
akademischen Preise…Ich möchte keiner anderen Korporation zu nahe treten und will deshalb meinen Ausdruck
vorsichtig wägen. Das aber darf ich unbedenklich sagen, dass von seiten des Lehrkörpers unserer Universität keine
andere Tübinger Verbindung höher geschätzt wird als die Stuttgardia. Mit Stolz kann die Stuttgardia darauf hinweisen,
dass ihre Mitglieder im späteren Leben die Ziele erreichen, die sie sich gesteckt haben, und dass sich unter ihren Alten
Herren eine ungewöhnlich grosse Anzahl von Männern befindet, die zu hohen und den höchsten Stellen in unserem
Staatswesen gelangt sind.”
Anschließend aß die Festgesellschaft auf der Terrasse zu Abend.
Abends um 9 Uhr begann der Festkommers im großen Museumssaal mit 200 Herren65. Die Damen hatten auf der
Galerie Platz genommen. An Gästen erschienen der Sonderbund in corpore, je drei Vertreter von Igel, Saxonia und
Virtembergia, sowie Vertreter der Universität und des Tübinger Offizierskorps. Nach dem Lied “In allen guten
Stunden” rieb die Festversammlung “einen donnernden Restsalamander auf Se. Maj. den König”. Unterbrochen von
Vorträgen der Tübinger Regimentskapelle wurden Lieder gesungen und Reden gehalten. Fritz Laquer sprach auf die
Alten Herren: “Ich meine, wenn auch wir Jungen in demselben Geist fortfahren, den unsere Alten von Generation zu
Generation fortgepflanzt haben, den Geist froher und edler Jugendfreundschaft, der auch vor Opfern nicht zurückscheut
im Interesse der Gemeinschaft, der man angehört, der Geist echten Studententums, der hier so herrliche Früchte trägt.
Nicht in sklavischer Nachahmung vielleicht etwas altmodischer Äusserlichkeiten, sondern in harmonischer
Verschmelzung von Anforderungen, wie sie die Jetztzeit an die Studenten des 20.Jahrhunderts stellt, mit dem
Guterprobten und Althergebrachten, nicht, weil es von alter Zeit her so war, sondern, weil es sich erprobt hat im Laufe
der Jahre, erprobt trotz allen modernen Strömungen und Umkrempeleiversuchen. Aber nicht allein als Erbauer des
neuen Hauses muss ich heute unsere Alten feiern, fast ebensoviel verdanken wir einem Teil von ihnen, der uns etwas
schickt, ohne das die Stuttgardia selbst mit dem schönsten Haus aufs trockene gesetzt wäre, ich meine nämlich
Nachwuchs an aktiven Bundesbrüdern. Und ich möchte dringend alle lieben Alten bitten, ja für möglichst viele
Altensöhne in der Gesellschaft zu sorgen, je mehr desto besser. Sollte aber einer etwa noch gar nicht verheiratet sein, so
ist dieses Fest die beste Gelegenheit, sich eine von den vielen reizenden Bundesschwestern und Cousinen, die ja leider
da oben sitzen müssen, auszuwählen, wie ja schon manche mit rühmenswertem Beispiel vorangegangen sind. Also,
Glückauf zur Brautschau!”
Nach dieser Ansprache wurde ein donnernder Restsalamander auf die Alten gerieben. Gustav Schwab senior sprach
sodann auf die aktive Gesellschaft. Bundesbruder Aldinger, Polizeiamtmann bei der Stadt Tübingen, vertrat den
Oberbürgermeister. Er wertete die Erstellung eines solchen Hauses als ein Zeugnis treuer Anhänglichkeit der alten
Herren an ihre Studienzeit und an Tübingen. Dies ehre Universität und Stadt. Das Haus sei “eines der wohlgelungensten
Glieder jener herrlichen Kette von traulichen Nestern, die sich gar lustige Vögel
auf den Höhen der Stadt erbaut” hätten, womit Aldinger einen Gedanken aus Aberts Lied vom Österberg aufgriff.
Professor Dr.Busch überbrachte die Glückwünsche der akademischen Lehrer und Major Freiherr von Ziegesar die des
Tübinger Offizierskorps. Haid sprach für den Sonderbund und Hoffmeister für die drei eingeladenen Tübinger
Verbindungen.
Am Sonntag begann um 11 Uhr bei herrlichem Wetter eine Festfrühmesse auf dem Haus. Über 400 Personen fanden bei
einem Gabelfrühstück Platz. Ein Bundesbruder trat als “Serrenissimus” auf und verteilte Orden an die Herren sowie
Blumen und Postkarten an die Damen.
Am Nachmittag ging es auf Wagen nach Lustnau zu einem Jahrmarkt im Garten der Brauerei Heinrich (Ochsen,
Dorfackerstr.22). Der Dorfschultheiß begrüßte die Ankommenden. Ein Karussell, eine Schießbude und ein
Wahrsagerzelt waren aufgeschlagen, Bänkelsänger gaben eine Moritat zum Besten, Akrobaten zeigten ihre Künste,
Gustav Schwab junior stellte sich als Kunstreiter vor66.
Um 6 Uhr begann bereits das Festessen im Museumssaal mit 300 Gedecken, wobei Adolf Faber den Vorsitz führte und
Max Hedinger in humorvoller Weise die Damen feierte. Zum Essen gab es Brieschen-Suppe, Roastbeef auf
Museumsart, Poularden mit Salat und Vanille-Eis mit Waffeln. Auf der Getränkekarte standen “Rüdesheimer Engerweg
1/1-Flasche 3M, Rüdesheimer Gessel Riesling 4M, Drohner Hofberger (Mosel) 3,50M, Cru Etoile de St.Julien 3M
sowie Champagner Kessler Cabinet 6,50M und Cliquot 7M”. Nach Tisch begab man sich in den mit Lampions
beleuchteten Garten des Gesellschaftshauses. Dort spielte, wie schon am Vor- und Nachmittag und während des Essens,
die Kapelle des Infanterie-Regiments Nr.125 aus Stuttgart. Acht Paare führten einen Schäfertanz auf und unter den
Klängen der Imnauer Festpolonaise von H.Abert ging eine allgemeine Polonaise durch Haus und Garten. Dann wurde
getanzt. Am Montag gab es nach einem Wetterumsturz statt der vorgesehenen Ausfahrten eine Frühmesse und
nachmittags Tanz mit ca 80 Personen.
Über die Festeinweihung brachte der Altenverein einen gedruckten Bericht heraus67. Aus ihm wurde hier ausführlich
zitiert. Manches würde heute ähnlich gemacht werden, anderes, wie die Kontakte zu Universität und Offizierskorps,
sind historische Reminiszenz. Trotz des Wunsches, die Verbindung darzustellen und zu repräsentieren, war es vor allem
ein Fest für junge Leute. Meine Tante Gertrud Römer, die Schwester von Julius Römer, sprach noch 1980 als 92jährige
Frau mit leuchtenden Augen und zugleich wehmütiger Erinnerung vom Tanz mit Sigfrid Kober.