Zimmer in eleganter Jugendstil- Villa hoch über der Stadt und dem Neckar. Innenstadt, Uni und Mensen sind nur Schritte entfernt.
15 - 25 Quadratmeter
150 - 200 Euro
Wasser, Strom, Heizung, Internet, Telefon inklusive
Die Akademische Gesellschaft Stuttgardia ist eine liberale, nicht schlagende, nicht farben-tragende Korporation von Studentinnen und Studenten an der Eberhard Karls Universitaet Tübingen
Die Stuttgardia besaß nun ein Grundstück, auf dem ein dreistöckiges Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschoß und drei Giebeln stand13. Am Gebäude war zur Talseite ein über zwei Stockwerke reichender Verandaanbau sowie im zweiten Stock nach Westen eine kleine Veranda. Zur Österbergstraße lag ein kleineres Gebäude mit Satteldach. Da sich die Stuttgardia nicht zum Bau eines neuen Verbindungshauses entschließen konnte, blieb das leicht und für einfache Bedürfnisse gebaute Wohnhaus, dem Sachverständige eine weitere Lebensdauer von 30 – 40 Jahren attestiert hatten, stehen. Die Dienerwohnung wurde im Erdgeschoß sowie einem an der Westseite des Hauses geschaffenen Anbau mit einer Plattform darüber untergebracht. Ferner setzte der Altenverein eine eiserne Treppe ein, errichtete einen Abortanbau und reparierte die Verschindelung am Haus. Es wurde Mobiliar, einschließlich Bett- und Weißzeug, angeschafft, so daß sechs Bundesbrüder im Haus wohnen konnten. Die Forstleute der Verbindung, darunter besonders
Hermann Lorey, machten sich um die Anpflanzung des Gartens verdient.
Neben diesem Haus wurde im oberen westlichen Teil des Grundstücks ein Kneiphaus nach den Plänen des Tübinger Regierungsbaumeisters Kempter im Winter 1894/95 begonnen14. Seine Grundfläche betrug 10×10m. Es war ein einstockiger Fachwerkbau mit hohem abgestumpftem Walmdach, drei Fachwerkgiebeln, bekrönt von einem kupfernen Dachreiter mit Zwiebeldach. Den Giebel zur Neckarseite schmückten Ornamente und Wappen, darunter das Stuttgardia-Wappen. Innen besaß das Kneiphaus einen hellen Saal. Ein Photo zeigt eine mit Ornamenten bemalte gewölbte Decke und an den Türen schwere Vorhänge. Um den Kneiptisch reihten sich Stühle mit geschnitzten Lehnen. Hinter dem hohen Stuhl des Präsidiums prankte an der Wand das Stuttgardia-Wappen. In den Ecken standen zwei halbhohe Schränke, darunter ein heute noch vorhandenes Stück. “Durch die farbigen Fenster brach das Licht der Morgensonne und legte sich zärtlich um die Frühmessgläser, und der Pfeifenrauch wirbelte lustig zu der sehr hoch gelegenen Decke empor. Sass man bei festlichen Gelegenheiten auch manchmal in drangvoll fürchterlicher Enge, so hatte man bei den gewöhnlichen Kneipen um so mehr das Gefühl eines behaglich in sich geschlossenen Raumes. An die Kneipe schloss sich noch ein Kaffeezimmer, das kaum für das Klavier und einige Spieltische Platz gewährte. Erstieg man von der Schenke aus auf enger Wendeltreppe an der Musiktribüne vorbei den oberen Stock, so mochte man allerdings über die grosse, unausgenütze Fläche des Dachbodens den Kopf schütteln. Aber beim Weiterklettern wurde man entschädigt durch einen herrlichen Blick über das Neckartal, der sich von der ‘Kuppel’ aus darbot. Hier oben war das Sprachrohr untergebracht, mit dem man den verdutzten Blick des Wanderers auf der Neckarbrücke zur Österberghöhe emporzwang. Der steile Weg zur Kuppel wurde darum auch nicht so leicht einem Gast erlassen, gleichgültig, ob Männlein oder Fräulein. Einmal im Jahr wurde sie auch zum Schauplatz des Kneiplebens, wenn in der Frühlingsnacht hier oben die Bowlengläser geschwungen wurden und die Klänge des Mailieds in die Tübinger Gassen hinunterbrausten”15.
Die Einweihung begann am Samstag, 17.7.1895 um 8 Uhr abends mit einem Kommers. Der Sonntag sah nach Ankunft des Zugs aus Stuttgart mit den Damen eine Festfrühmesse auf dem Haus. Um 1 Uhr war gemeinsames Mittagessen im Museum, nachmittags folgte ein Ausflug nach Lustnau und abends ein Gartenfest “mit italienischer Nacht” auf dem Österberg. Zahlreiche Alte und Gäste waren erschienen. Am nächsten Tag ging die Kandidatenfuhre nach dem Brielhof. Insgesamt kostete das Einweihungsfest 1400M.
Die Finanzierung des Grundstückserwerb und des Kneiphauses gestaltete sich folgendermaßen: Zum Kaufpreis für das Grundstück von 35.000M waren Kosten für den Umbau des Wohnhauses über 2284M gekommen. Der Voranschlag für das Kneiphaus hatte 11.000M betragen, doch schon im Frühjahr 1895 mußte festgestellt werden, daß Mehraufwendungen für das Fundament sowie für Mobiliar und Gestaltung des Gartens über 9-10.000M entstehen würden. Eine erneute Bitte um Geschenke oder Darlehen hatte geringen Erfolg. Bis September 1895 waren für das Kneiphaus 15.800M und für Fahrnis 2941M ausgegeben worden. Auf der Einnahmenseite standen Geschenke über 15.915M, unverzinsliche Darlehen von Bundesbrüdern über 7400M, verzinsliche Darlehen von Bundesbrüdern über 29.500M sowie ein Bankdarlehen über 7000M. Bis Oktober 1896 fielen nochmals 12.290M Baukosten für Wohnhaus und Kneiplokal an, zu deren Finanzierung weitere 9000M Darlehen aufgenommen wurden. Der Wert der Liegenschaft wurde in den folgenden Jahren mit 72.000M angegeben.
Altenverein und aktive Gesellschaft regelten die Überlassung und Nutzung des Grundstücks und der beiden Häuser in einem Vertrag, der jedoch nicht erhalten ist. Außerdem gab es eine Hausordnung.
Im Frühjahr 1900 erstellte man ein Gartenhaus “aus Rundstangen und Rebstecken, mit Dachpappe abgedeckt”, wohl an der Westseite des Grundstücks. “Nach scharf durchzechter Nacht soll hier ein besonnter Morgenschlummer von besonders wohltätiger Wirkung gewesen sein.”
Das Stuttgardia-Haus hatte damals die Bezeichnung Österbergstr.6. Seit mindestens 1902 bestand ein Telefonanschluß mit der Nr.22516.