Zimmer in eleganter Jugendstil- Villa hoch über der Stadt und dem Neckar. Innenstadt, Uni und Mensen sind nur Schritte entfernt.
15 - 25 Quadratmeter
150 - 200 Euro
Wasser, Strom, Heizung, Internet, Telefon inklusive
Die Akademische Gesellschaft Stuttgardia ist eine liberale, nicht schlagende, nicht farben-tragende Korporation von Studentinnen und Studenten an der Eberhard Karls Universitaet Tübingen
Zur ersten Altenzusammenkunft nach der Hauseinweihung trafen sich die Mitglieder am 11.10.1908 wiederum im
Gasthof “Krone” in Esslingen. Wie üblich wurde für das Mittagessen ein Tischredner bestimmt, diesmal Emil Kress. An
die Stelle der Ausschußmitglieder O.Haidlen, A.Faber und J.Jehle traten A.Kleinmann, K.Lautenschlager und Th.Frey.
Der Vereinsausschuß selbst konstituierte sich am 24.11.1908 im Restaurant Michoud. Vorsitzender blieb Hauber, sein
Stellvertreter wurde Kleinmann.
Mit der Allgemeinen Rentenanstalt war vereinbart worden, daß die Vermittlungsprovision für
Lebensversicherungsverträge mit Bundesbrüdern an den Altenverein gehe118. Der Ausschuß beschloß, die bisher
übliche Kneipmiete von der aktiven Gesellschaft nicht mehr zu erheben. Die Miete für die sechs Wohnungen auf dem
Haus betrug je Semester 580M. Nach längeren Verhandlungen, die auf Seite des Altenvereins A.Kleinmann und
F.Aldinger führten, trat am 1.5.1909 ein neuer Vertrag mit der aktiven Gesellschaft über die Nutzung des Tübinger
Grundstücks in Kraft119. Gleichzeitig erließ die aktive Gesellschaft eine Hausordnung. Das Mobiliar im Haus blieb
Eigentum des Altenvereins, es sollte von der aktiven Gesellschaft instandgehalten und ergänzt werden. Sie hatte auch
wie bisher den Garten zu unterhalten.
In dieser Zeit ist am 28.1.1909 der Vereinskassier Paul Hochstetter vulgo Marschall verstorben120. Er war einer
derjenigen, die sich besonders um die Stuttgardia verdient gemacht haben. Die finanziellen Probleme des neu
gegründeten Altenvereins, insbesondere im Zusammenhang mit der Erbauung des Kneiphauses und des neuen
Gesellschaftshauses, hatte er abgewickelt. Drei Monate vor seinem Tod hatte ihm der Altenverein auf Anregung von
Ernst Müller und nach einer Umfrage unter allen Mitgliedern aus Vereinsmitteln ein Ölbild mit einer Ansicht des
Gardasees im Goldrahmen im Wert von 500M geschenkt. Im Bopserboten vom 11.3.1899 war über ihn, der nach dem
Studium der Medizin und Rechtswissenschaft 1879 Buchhändler im Verlag W.Kohlhammer geworden war und dem
seine Tätigkeit in der Leitung des Verlags sowie als Redakteur der Württ. Kriegerzeitung und als Präsidiumsmitglied
des Württ. Kriegerbunds 1899 den Titel eines Hofrats eingebracht hatte, folgendes Gedicht abgedruckt worden:
Der Hofrat
Blick’ ich zurück in alte Zeiten
Verklung’ner Burschenherrlichkeit
Ersteht ein Bild – s’ist zu beneiden -
Wie keins zu finden weit und breit;
Der Marschall ist’s bei wack’rem Trinken
Mit Oskar Elbens Kraftgestalt.
Hei wie die Aeuglein fröhlich winken!
Hei wie die Rosse wiehernd sausen
Beim Lieblingsritt nach Wolfenhausen!Blick’ ich zurück um zehn der Jahre
Entrollt sich mir ein ander Bild:
Studentum liegt auf der Bahre,
Kein frohes Lied der Kehl’ entquillt.
Bei Kassenbüchern nimmer müde
Sitzt Marschall eifrig Tag und Nacht.
Verschwunden ist die Jugendblüte,
Doch Orden hat der Fleiss gebracht,
Und an der Spitze seiner Krieger
Kommt er daher als Held und Sieger.Blick’ ich zurück um wenig Jahr;
Der Marschall prangt im Hochzeitskleid.
Er führt beglückt zum Traualtare
Die Liebste seiner Jugendzeit.
Die Treue, die er stets bewiesen,
Hat hierin glänzend sich gezeigt.
Er konnte keine sich erkiesen
Als die, zu der er stets geneigt:
Jetzt ist der grosse Wurf’ gelungen,
Er hat die Jugendbraut errungen!Und heute? welche neue Märe
Bringt Staatsanzeiger und Merkur?
Heil Hofrat Marschall! Welche Ehre!
Sag’ an mein Freund, wie kommt es nur,
Dass, was dir nimmer wär’ gelungen
Beim Studium der Medizin,
Du heute glänzend hast errungen?
Du hast beschieden Deinen Sinn
Zu anderem Beruf bei Zeiten,
Drum Hofrat Marschall bist du zu beneiden!
Unmittelbar nach Hochstetters Tod wurde Walter Dinkelmann in den Ausschuß kooptiert und zum Kassier bestimmt.
In Tübingen stürzte Anfang 1909 nach starkem Regen ein Stück der Gartenmauer der unteren bekiesten Terrasse ein.
Die Kosten der Wiederherstellung betrugen 3639M121. Die Überlegung, hier eine Kegelbahn mit Laube einzurichten,
wurde wegen der hohen Schuldenlast nicht verwirklicht.
Am 16.4.1910 verstarb plötzlich Gustav Hauber, der langjährige und hochbewährte Vorsitzende des Vereins. Neben
Hochstetter ging damit innerhalb eines starken Jahres ein weiterer der Großen der alten Stuttgardia dahin. Hauber war
nicht nur Mitgründer der aktiven Gesellschaft gewesen, sondern hatte auch die wesentlichen Impulse für die Gründung
des Altenvereins gegeben. Er habe mit Festigkeit, manchmal auch mit sarkastischem Humor, die Ziele verfolgt, die er
sich und dem Verein gesteckt hatte122. Bemerkenswert ist, daß er einer der wenigen Philologen war, der ein
herausgehobenes Amt in der Stuttgardia übernahm. Bei seiner Beerdigung sprachen Kleinmann für die Alten und
Gustav Schwab jun. für die Aktiven.
Der Vereinsausschuß wählte am 6.5.1910 Adolf Kleinmann zum Nachfolger Haubers. Der neue Vorsitzende hatte sich
sogleich mit einem Problem zu befassen, das auch in späteren Jahren eine wesentliche Tätigkeit der Vereinsfunktionäre
blieb, nämlich mit Mängeln am Tübinger Haus. Im Mai 1910 wurde über schlechten Geruch im Altherrenzimmer und
im Closett, über eine feuchte Außenwand in der Küche sowie über abbröckelnden Verputz im Hauboden und dessen
Vorraum geklagt. Auch waren Reparaturen an Wasserleitung und Badeeinrichtung nötig. 1913 versetzte die
Flaschnerfirma Dinkel die ersten Heizkörper und Dachdecker Peetz erneuerte Dachziegel.
Erstmals fand eine Mitgliederversammlung auf dem Haus am Sonntag, 16.10.1910, statt. Ab 12 Uhr war Frühschoppen
im Café Kommerell, um 1 Uhr begannen die Beratungen. Sie konnten offenbar in einer Stunde abgewickelt werden,
denn um 2 Uhr gab es bereits ein Essen auf dem Haus. In diesem Jahr begann der Altenverein wieder, Darlehen an
Hinterbliebene von Mitgliedern zurückzuzahlen.
In den Jahren 1911 – 1913 tagte die Mitgliederversammlung ebenfalls auf dem Österberghaus mit demselben Zeitplan.
Am Abend ging der Tag in eine Kneipe über, bei der besonders Gustav SchwabI “die Lichter seines starken und feinen
Humors aufblitzen ließ”123. Im Februar 1911 übernahm Max Fetzer anstelle des nach Ulm verzogenen Aldinger die
Vertretung des Altenvereins in Tübingen. Als Fetzer im März 1913 nach Königsberg ging, wurde Paul Franck sein
Nachfolger. 1912 beschloß die Versammlung die Einrichtung eines Jubiläumsfonds für das 50.Stiftungsfest. Zum
ordentlichen Mitgliedsbeitrag von 30M wurde ein Jubiläumsbeitrag von 5M eingefordert. Für die Aufnahme in den
Altenverein wurde weiterhin ein Eintrittsgeld von 50M erhoben. Im Mai 1914 beschloß der Ausschuß, die
Altenversammlung künftig mit dem Stiftungsfest der Aktiven im November zu verbinden. Damit erübrige sich die
Entsendung von Vertretern des Altenvereins zum Stiftungsfest der aktiven Gesellschaft.
Altenverein und aktive Gesellschaft hatten im Sommer 1914 insgesamt 302 Mitglieder. Das Verhältnis der Aktiven zu
den Alten war unterschiedlich. Tröstlich für spätere Generationen ist, was Hans Wildermuth berichtete124: kamen Alte
aufs Haus, so endete das Zusammentreffen meist mit Verstimmung und Beleidigtsein auf beiden Seiten. Die Jungen
hielten die Alten für Kalkschädel, und umgekehrt sahen die Alten in den Jungen Lausbuben!