Das Verhältnis zu anderen Verbindungen 1895 – 1908

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In diesem Zeitabschnitt wurden die Kontakte zum Sonderbund an der Technischen Hochschule Stuttgart weiterhin
gepflegt40. Im Januar 1896 war die Gesellschaft in corpore zu dessen Ball geladen. Im Februar 1900 und 1903, ferner
1906 ist ebenfalls vom Besuch von Sonderbundsbällen die Rede. Im Februar 1907 feierten drei Vertreter der Stuttgardia
die Einweihung des Sonderbundshauses mit, und im November 1907 war die Stuttgardia beim Stiftungsfest des
Sonderbunds vertreten. Im Gegenzug ist die Teilnahme des Sonderbunds im Juni 1901 an Kneipe, Frühmessse und
Bowlenausflug nach Niedernau überliefert.

Im SS 1896 besuchten Vertreter der Stuttgardia das 25.Stiftungsfest des Igels, und im SS 1897 feierten die Chargen der
Virtembergia mit der Stuttgardia in Imnau41.

In dieser Zeit wurden Kontakte zur Akademischen Verbindung Saxonia, einer Korporation mit vorwiegend
niedersächsischem Einzugsgebiet, aufgenommen. Ab dem WS 1900/01 sind gegenseitige Vertreterbesuche bei Kneipen
und Stiftungsfesten bekannt42. Die Saxonia legte großen Wert auf die Beziehungen zu einer süddeutschen Verbindung.
Im WS 1903/04 bezeichnete sie Stuttgardia und Igel als die tonangebenden schwarzen Korporationen in Tübingen. Ein
freundschaftlicher Verkehr mit solchen Verbindungen sei auch für ihr Ansehen bei anderen Korporationen wichtig.
Beim Imnauer Fest der Stuttgardia 1904 war die ganze Saxonia eingeladen, worauf diese als Dank die Stuttgardia zu
Kneipe und kaltem Buffet zu sich bat. Die “vom Gefühl der Sympathie” getragenen Kontakte verloren an Herzlichkeit
durch den Fall Richard Haidlen. Der Sohn des in der Stuttgardia hoch angesehenen Oskar Haidlen sei von seinem Vater
gezwungen worden, der Stuttgardia beizutreten. Daher habe er es auf Ausschluß angelegt. Im WS 1907/08 trat er der
Saxonia bei. Wohl damit im Zusammenhang steht eine Chargenforderung der Stuttgardia an die Saxonia in diesem
Semester. Das Ehrengericht lehnte sie jedoch ab43.

Im WS 1904/05 gab es in Tübingen Bestrebungen zur Bildung eines Ausschusses der Korporationen44. Dies war eine
Reaktion auf die an den deutschen Hochschulen sich verstärkenden Forderungen der nicht korporierten Studenten, der
“Finkenschaft”, nach Mitsprache45. Die Burschenschaft vertrat zunächst die Ansicht, sie führe gewohnheitsmäßig den
Vorsitz der Studentenschaft und damit auch im Ausschuß. Gleichzeitig kam es zu einer Diskussion, ob katholische
Korporationen einem solchen Ausschuß angehören könnten. Ihre Bindungen an den Vatikan widersprächen der
akademischen Freiheit. Sie seien ein Beispiel nationaler Unzuverlässigkeit. Diese Argumentation eines überhitzten
Nationalismuses preußisch-protestantischer Prägung hatte sich 1904 von Jena und Hannover aus verbreitet46.
Später schlug die Tübinger Burschenschaft vor, alle Korporationen, auch die katholischen, sollten gleichberechtigt behandelt werden. Das lehnten der Seniorenkonvent der Corps, die
Landsmannschaft, der Verein Deutscher Studenten sowie Stuttgardia, Igel, Saxonia und Virtembergia ab. Diese
Verbindungen beschlossen darauf, einen besonderen Ausschuß zu bilden. Erst Ende des WS 1906/07 kam es zur
Gründung eines einheitlichen Ausschusses, dem auch die Stuttgardia beitrat. Der Ausschuß Vereinigter Tübinger
Corporationen (A.V.T.C.) “bildet eine Vereinigung zur Wahrung allgemeiner studentischer Interessen, insbesondere der
akademischen Freiheit und zur Pflege nationalen Geistes. Die Grundlage der Vereinigung ist die Gleichberechtigung
aller Korporationen. Korporationen mit antinationalen und parteipolitischen Tendenzen sind ausgeschlossen”47. Der
AVTC veranstaltete vor dem ersten Weltkrieg vor allem patriotische Feste und akademische Fackelzüge, er verhandelte
ferner mit Wirten, Bierbrauereien, Reitstall- und Wagenbesitzern. Der Vorsitz und das Kassenamt wechselten alle
Semester unter den Korporationen in alphabetischer Reihenfolge.