Das 25. Jubiläumsfest 1894

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Innerhalb der Stuttgardia war die Frage nach einer festeren Organisation der Alten immer wieder gestellt worden1. Das 1894 heranstehende 25jährige Jubiläum ließ die Diskussion konkreter werden. Einige Alte erarbeiteten in den Osterferien 1893 Vorschläge für die Bildung eines Altenverbands. Gustav Hauber lud zu einer Altenzusammenkunft auf 1.10.1893 ins Gasthaus “Traube” in Esslingen ein. Die Beratungen sollten um 12Uhr beginnen, für 2Uhr war ein Essen und für 6 Uhr der Kneiptag vorgesehen. Der Einladung lag der Entwurf von Statuten eines Altenverbands der Tübinger Stuttgardia bei, der offenbar vor allem von Emil Seckel ausgearbeitet worden war2.

Die ungefähr 50 erschienenen Alten wählten Hauber zum Vorsitzenden der Tagung. Über den Statutenentwurf gab es eine längere Debatte. Schließlich nahm die Versammlung den Antrag Theodor Pfizers an, über den vorgelegten Entwurf zur Tagesordnung überzugehen. Damit war die Bildung eines Altenvereins zunächst gescheitert.

Zur Vorbereitung des Jubiläumsfestes wurde ein Ausschuß gewählt mit den Mitgliedern Gustav Hauber, Oskar Haidlen, Paul Hochstetter, Hermann Habermaas und Ernst Lautenschlager. Dieser Ausschuß bestimmte Hauber zu seinem Vorsitzenden, Hochstetter zum Kassier und Lautenschlager zum Schriftführer. Die Altenzusammenkunft beschloß ferner, für das Fest eine Geldsammlung durchzuführen und die Kosten des Jahresberichts der Gesellschaft auf die Alten zu übernehmen.

Die aus Anlaß des Jubiläums herausgegebene Festschrift wurde eine sehr gediegene Arbeit, deren Verfasser leider nicht überliefert sind. Auf 19 Seiten findet sich eine bebilderte Beschreibung der ersten 25 Jahre der Gesellschaft, weitgehend die einzige Quelle für diese Zeit. Dann folgt eine an Genauigkeit später nie wieder erreichte Mitgliederliste mit Angaben zur Schul- und Studienzeit sowie zur beruflichen Laufbahn der Mitglieder, ferner die Namen der Ehefrauen und die Zahl der Söhne und Töchter. Weiter enthält das Werk ein kleines Portraitbild, für manchen Stuttgarden das einzige noch erhaltene Konterfei. Die Alten erhielten kurz vor dem Jubiläum diese Festschrift übersandt.

Die aktive Gesellschaft verfaßte für das Fest in Anlehnung an den Bopserboten eine gut gelungene Ballzeitung “Der Österbergbote”, in der sie auf neun Druckseiten über Begebenheiten aus dem Gesellschaftsleben berichtete. Zu den Feierlichkeiten wurde durch gedruckte Karten mit einer Zeichnung des Tübinger Schlosses und dem Stuttgardia-Wappen eingeladen3.

Das Jubiläum begann am Freitag, 29.6.1894, mit einem Sommerfest in Imnau. Dafür war “bequemer Anzug”
vorgesehen. Der Sonderzug verließ Tübingen um 12.30 Uhr. Der Schwäbische Merkur4 berichtete ausführlich: “Er brachte die Teilnehmer, etwa 300 an Zahl, darunter einen reichen Kranz junger Damen, von Tübingen nach Eyach; die Strecke Eyach – Imnau wurde in Gefährten zurückgelegt. In dem festlich geschmückten Saal des Imnauer Badhotels und in den benachbarten Anlagen entwickelte sich ein fröhliches Leben. An der vom Gesellschaftspräsidium, cand. med. Guoth, geführten Polonaise beteiligten sich etwa 110 Paare. Den Glanzpunkt des Sommerfestes bildete der Kotillon, der sich durch Originalität des Gedankens und Gewandtheit der Durchführungen auszeichnete; an den in den Kotillon eingestreuten Aufführungen waren außer den Aktiven einige junge Damen Tübingens beteiligt. Auf die Begrüßungsworte des Präsidiums beim Abendessen erwiderte der Rektor der Universität, Prof. Lothar v. Meyer, in launiger Rede. Bei der Heimfahrt erstrahlte das Schloß Weitenburg des Frhrn. v. Raßler in bengalischen Flammen. In Tübingen kam ein Teil der Herren noch zu einem gemeinschaftlichen Trunk zusammen. – Am Samstag Abend fand ein
Festkommers im geschmackvoll dekorirten großen Saal des Museums statt. Er war namentlich von Alten der
Stuttgardia außerordentlich zahlreich besucht. Der Kommers nahm einen sehr belebten Verlauf. Nach dem Hoch auf die Monarchen ergriff Prof. G.Hauber, ältestes Mitglied der Gesellschaft, das Wort, um in längerer, feindurchdachter Rede sich über die Geschicke der Stuttgardia und über ihre Ziele zu verbreiten. Es folgten die üblichen Trinksprüche, unter welchen die von Prof. v. Schönberg namens der Universität und von Major Frhr. v. Hügel namens des Tübinger Offizierskorps hervorgehoben sein mögen. Ein Festspiel führte bunte Szenen aus den ersten 25 Jahren der Stuttgardia vor Augen. – Am Sonntag versammelten sich die Mitglieder der Stuttgardia, Alte und Junge, mit ihren Angehörigen und einem engeren Kreis von Gästen, immerhin noch 200 Personen, zum Frühschoppen und Frühstück im Garten der Müllerei und auf der in der Müllerei befindlichen Kneipe, wo alsbald u.a. ein Damenkneiptag in Gang kam. Nach beendetem Frühstück begab sich die Gesellschaft mit Sonderzug nach Urach, um auf der Wald- und Wiesenfläche oberhalb des Wasserfalls ein Picknick zu halten. Unter Tanz und Sang eilten die Stunden dahin. Auf der Rückfahrt wurde im Gasthof Sprandel in Metzingen Einkehr gehalten. – Vom Beginn bis zum Ende der Jubiläumsfeier herrschte bei Gästen wie Gastgebern eine ungezwungene frohe Stimmung, zu der auch die Gunst prachtvollen Wetters das Ihrige
beitrug.”