Die Tanzfeste in Niedernau und Imnau

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Niedernau war im 19.Jahrhundert ein beliebtes Badeörtchen. Sonn- und donnerstags veranstaltete der Badwirt
Tanzunterhaltungen, zu denen sich die Studenten aus Tübingen und die Mädchen der Umgebung einfanden. Im Juli 1873 habe es mit einem festlichen Tanzausflug nach Niedernau die ersten Beziehungen der jungen Stuttgardia zur Damenwelt gegeben70. Der nächste Ausflug dieser Art war Anfang Juli 1875. Über ihn notierte Ottilie Wildermuth, die Mutter von Hermann Wildermuth, in ihrer Hauschronik71: “Hätt’s nicht gedacht, daß ich noch einmal in meinem Leben als Ballmutter figurieren werde. Hermans Gesellschaft, Stuttgardia, gab einen Ball in Niedernau, und da zu den vielen jungen Fräulein doch auch einige Mütter auf den Platz sollten, habe ich mich dazu verstanden. Habe meine Freude gehabt an den vielen jungen blühenden Gestalten. Den Jünglingen erschien natürlich ihr Ball, ihr selbstkomponierter Kotillon mit Netzen und Schmetterlingen und Libellen und Schießscheiben, darnach die Damen mit kleinen Armbrüsten schossen, das Schönste was die Welt gesehen.”

Über ein Niedernauer Fest dichtete Ludwig Mayer72:

Tannendunkle Bergespfade,
Noch besprengt vom Morgentau,
Führen uns ins Thal der Gnade,
Unser altes Niedernau.
Wo sich jäh die Wege senken,
Hält der Pilger wehmutstill,
Weil ein schönes Angedenken
Diese Stätte segnen will.

Oft sind wir in hellen Haufen
In der ersten Maienlust
Diesen Quellen zugelaufen,
Oft im sengenden August.
Weniger ist es der Sprudel,
Welcher schweflig sauer quillt,
Als das fröhliche Genudel,
Dem des Herzens Sehnsucht gilt.

Aus des Hauses engen Thüren
Laßt uns auf den Rasen gehn,
Wo die trübsten Professoren
Tanzen durch die Gramineen.
Seht, ein Festzug kommt gegangen,
Ros’ und Ackerschnall’ im Haar,
Rot von Wangen, unbefangen,
Sumlocennes Töchterschar.

Doch! – Verbannt jed’ süßes Übel!
Jeder Seufzer sei verhaucht!
Denn es nähert sich ein Kübel,
Feierlich und weit gebaucht.
Maitrank ist’s, der oft vom Pulte
Mich entgegeneilen sah
Deinem altbemoosten Kulte,
Meisterin Asperula.

Freudig wird dem Saft der Reben
Edler Waldgeist zugestreut,
Und die Menge lauscht mit Beben,
Bis die Wandlung sei erneut.
Doch sobald aus tiefem Napfe
Duftig die Verheißung drang,
Grüßen wir die erste Schapfe
Mit unsterblichem Gesang.

Im Juli 1882 gab es das letzte Fest in Niedernau, denn die Räume waren dort nun zu eng geworden. Im Juli 1884 wurde erstmals ein Fest in Imnau gefeiert. Die Bundesbrüder und über 200 Gäste, darunter 24 Alte, fuhren im Extrazug bis Eyach und von dort auf Leiterwagen nach Imnau. 72 Paare beteiligten sich an der Polonaise. Etwas geringer waren die überlieferten Teilnehmerzahlen bei den Imnauer Festen von 1886, 1889 und 1891. Nach der Rückkehr vom Fest versammelten sich am Abend die Herren im unteren Museumssaal beim Bier73. Am folgenden Morgen war Festfrühmesse mit Musik in der Müllerei, “wozu die Damen zahlreich zu erscheinen pflegten”. 1891 schloß sich an die Frühmesse noch ein Liebesmahl im Museum an.