Das Stiftungsfest und weitere Veranstaltungen der Gesellschaft

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Jährlich wurde das Stiftungsfest am Wochenende um den 30.November begangen. Die Festfolge ist erstmals für die Feier des 10jährigen Bestehens der Gesellschaft vom 29.November bis 1.Dezember 1879 notiert: Kommers, Ausfahrt nach Böblingen und Liebesmahl im Tübinger “Lamm”62. Beim Kommers wurden Reden auf die Stuttgardia, auf die Alten und von Seiten der Alten auf die Aktiven gehalten. In Böblingen zeigten die Bundesbrüder szenische Darstellungen aus dem Gesellschaftsleben. An diesem Stiftungsfest beteiligten sich 23 Alte.

Auch in den folgenden Jahren begann das Stiftungsfest am Samstag mit einem Kommers, der ab 1884 im Museum stattfand63. Am Sonntag war Festfrühmesse auf der jeweiligen Kneipe und anschließend Jagdwagensuite nach Böblingen bzw. einige Male nach Herrenberg64. 1883 gab es gar eine Schlittenfahrt. In Böblingen bzw. Herrenberg stieg eine Kneipe, zu der sich regelmäßig zahlreiche Alte aus Stuttgart und Tübingen einstellten. Einen oder zwei Tage danach wurde bis 1895 das Stiftungsfest mit einem sog. Liebesmahl im Gasthof Lamm abgeschlossen.

Die besondere Stimmung beim Stiftungsfest mag die erste Strophe eines Gedichts aus der Zeit vor 1894 zeigen65; die beiden folgenden Strophen enthalten eine der frühesten Erwähnungen der “Mutter Stuttgardia”, eine auch noch in jüngster Zeit viel beschworene Symbolgestalt:

Zum Stiftungsfest
Schmückt mit der Tannen duftendem Reise
Ringsum den festlich erleuchteten Saal.
Frohsinn nur herrsche in unserem Kreise,
Hurtig dem Gaste kredenzt den Pokal!
Und zu der schäumenden Becher Klang
Meng’ sich der Freude vielstimmiger Sang.

Jubelnden Sinns um die Mutter sich scharen
Treu deine Söhne, Stuttgardia!
Kräftig, im reichen Kranz von Jahren,
Stehst du wie früher geehrt noch da,
Strahlest im Glanze der Jugend aufs neu,
Gleich einem Baume im wonnigen Mai.

Siegreich hast du durch Sturmessausen
Stets deinen Bund, Allmutter, geführt,
Mochten dich rings auch die Wogen umbrausen,
Haben sie dich doch niemals berührt.
Huldvoll geleitete nah und fern
Stets dich des Glückes hellstrahlender Stern.

Wissenschaftliche Bestrebungen in der Form, daß die Mitglieder regelmäßig Vorträge über allgemeinbildende Themen hielten, gab es unter den Gründern. Sie sind jedoch bereits im WS 1871/72 eingeschlafen. Auch spätere Versuche einer Neubelebung scheiterten66.

Schon in der Gründungszeit spielten Fußwanderungen eine große Rolle. Fast jeden Sonntag und am damals
vorlesungsfreien Donnerstag seien die Gründer in die Umgebung Tübingens gezogen. Auch später wanderte man besonders unter der humorvollen Leitung von Ludwig Mayer in den Schönbuch oder auf die Alb. Es bildete sich gar eine Gruppe mit dem Namen “Alpenklub”. Um 1890 kam das Wandern jedoch aus der Mode67. Die Mehrzahl der Mitglieder nutzte nun den “Philistergaul” oder den Jagdwagen zu Ausflügen. Der erste Ausflug mit einem Jagdwagen noch in der Gründerzeit unter Leitung von Theodor Kern, “der die Kunst des Wagenlenkens zu verstehen vorgab”, sei nicht ohne ernstere Abenteuer abgelaufen.

Wie ausgiebig die Feierlichkeiten gerade in der Frühzeit waren, zeigt ein Bericht Hermann Wildermuths an seine
Mutter über den Semesterabschluß im August 187268: “Samstag war Fuchsenstoß, Sonntag Ausfahrt nach Böblingen, Montag Fahrt nach Niedernau, Dienstag Naturkneiperei in Klüpfels Schloßgarten, Mittwoch Abschiedskneiptag, Donnerstag ‘Das letzte Glas, den letzten Kuß’ in einer Frühmeß mit besseren Weinen beim Franzosenmayer.”

Regelmäßig gab es sog. Kandidatenkneipen bzw. Kandidatenfuhren, bei denen die Mitglieder, die ihr Examen
bestanden hatten, geehrt wurden. Die Fuhren gingen meist auf den Brielhof bei Hechingen (1883 jedoch nach
Oberhausen im Echaztal, 1884 nach Eningen, 1888 und 1893 nach Metzingen). Die Bundesbrüder, die im jeweiligen Semester Geburtstag begingen, gaben der Gesellschaft eine gemeinsame Feier, so z.B. mehrfach in der Kocherschen Villa auf dem Österberg sowie 1881 und 1884 in Form von Waldfesten bei Schwärzloch. 1887 sowie 1891 bis 1893 wurden die Geburtstagsfeiern als Ausflüge nach Honau bzw. Urach veranstaltet. Auch von Erdbeerbowlenfesten hören wir, sowie von einem von der Berliner Sektion gestifteten Weißbierfest (1881), ferner einem Fest auf dem Österberg mit von Tübinger Alten gespendetem “bayerischen Stoff” (1885).

In den 80er Jahren wurde Carlos Majer, Privatier in Reutlingen, früher Apotheker in Valparaiso/Chile, als “alter, treuer Freund der Gesellschaft” bezeichnet69. Im Juli 1881 lud er die Verbindung nach Reutlingen zu einem Gartenfest ein, “das einen glänzenden Verlauf nahm”.

Ihren Mittagstisch hatte die Gesellschaft einige Jahre im “Lamm”, ab 1885 im Museum. Beides waren nicht die
billigeren Lokale in Tübingen, was zeigt, daß die Mitgliedschaft in der Stuttgardia nur mit gehobenem finanziellen Hintergrund möglich war. Zum Kaffee fand man sich seit 1880 im Café Müller ein. Beliebte Kartenspiele waren Tarock und Tapp, später Skat. Vor allem Anfang der 80er Jahre stand der Knobelbecher in hohem Ansehen und führte zur Gründung eines Knobelklubs. Daneben hatte das Kegeln und das Reiten stets einen kleineren Kreis von Anhängern.